Die Landschaften und Portraits von Jan Schüler erscheinen monumental. Nichts verliert sich im Detail, alles ist kräftig und eindeutig gefügt von einer konstantinischen Eindringlichkeit. Man sieht nicht das Haar, sondern Haarwülste, Haarbänder. Alles ist groß gesehen und wie auf Fernsicht bedacht.
Diese emblematische Qualität schafft aus jeder Landschaft, aus jedem Portrait ein Sinnbild, unterstützt durch Attribute, Symbole, Kennzeichen; das können Blumen, Tiere oder Etiketten sein. Auch der Mensch selbst wird zum Attribut der Landschaft oder des anderen.
Das Gefügte der Köpfe und Körper bis in das Geäst der Achselbehaarung, die geschnitzten Flußlandschaften, das Sofa des Mundes, das zum Verweilen einlädt, die Muskelstränge und die Plateaus der Nasenspitzen, das Leuchten der Augäpfel, die Gliederung durch Licht und Schatten, führen die Feinmalerei Jan Schülers zu einer überzeitlichen Gültigkeit. Dazu tragen auch die Gesten bei, die Ausschnitthaftigkeit, der undefinierte Raum.
Trotz ihrer Verhaltenheit besitzen die Bilder eine kraftvolle Ausstrahlung. Dies liegt auch daran, weil der Gehalt der Dinge und Teile wichtiger ist als das Subjektive, weil alle Teile und Dinge auf ein Bedeuten außerhalb des Subjektiven oder des Individuellen zielen. Die Kurzatmigkeit unserer Zeit ist zur Ruhe gebracht.
So verwandelt sich ein „Blumenmädchen“ zu einer magischen Göttin des Blühens, zu etwas Absolutem. Klar und ohne Irritation, ästhetisch und feierlich sind diese Bilder, Leitsterne zu einem Ideal: Innenschau, Traum und Ziel.

Friedhelm Häring, 2004